CASE STUDIES
Swissmechanic & EIM Switzerland: Vom Interim Mandat zum Wandel einer ganzen Branche
„Der Durchbruch kam, als die Diskussion weniger aus Sicht der Verbände geführt wurde, sondern aus Sicht der Unternehmen und Lernenden.“
Die Ausgangslage bei Swissmechanic war anspruchsvoll. Wirtschaftlicher Druck, steigende Anforderungen an die Berufsbildung und historisch gewachsene Strukturen erschwerten die strategische Weiterentwicklung des Verbandes.
Was ursprünglich als Interim Management Mandat von EIM Switzerland zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Geschäftsstelle von Swissmechanic begann, entwickelte sich im Verlauf des Mandats zu einer strategischen Diskussion über eine engere Zusammenarbeit mit Swissmem in der Grundbildung.
Im Gespräch beschreiben Nicola Tettamanti, Präsident von Swissmechanic (im Bild links), und der Interim Manager Erich Sannemann (rechts), wie dieser Perspektivenwechsel zustande kam.
1. Wie stellte sich die Ausgangslage der Organisation zu Beginn des Mandats dar?
Nicola Tettamanti (N.T.): Die Organisation befand sich in einer anspruchsvollen Phase. Die MEM-Branche stand wirtschaftlich unter Druck, gleichzeitig veränderten sich die Anforderungen an Verbände stark – sowohl strategisch als auch organisatorisch. Es bestand der Wunsch, die Geschäftsstelle weiterzuentwickeln, Prozesse zu professionalisieren und die Zukunftsfähigkeit des Verbandes langfristig zu sichern.
Erich Sannemann (E.S.): Ich habe eine Organisation übernommen, die über viel Fachwissen und Engagement verfügte, gleichzeitig aber stark im Tagesgeschäft gebunden war. Viele Prozesse waren historisch gewachsen. Der Verband funktionierte, doch die zunehmende Dynamik im Umfeld verlangte nach mehr Agilität und klareren Prioritäten.
„Es ging nicht darum, alles neu zu erfinden.“ (E.S.)
2. Was war der ursprüngliche Auftrag an den Interim Manager?
N.T.: Im Zentrum stand zunächst die operative Stabilität der Geschäftsstelle. Gleichzeitig wollten wir die Organisation weiterentwickeln und bewusst eine externe Perspektive einbringen, um die Rahmenbedingungen kritisch zu hinterfragen.
E.S.: Mein Auftrag bestand darin, die operative Führung zu übernehmen. Dabei ging es nicht darum, alles neu zu erfinden, sondern zuerst zuzuhören, die Organisation zu verstehen und das Vertrauen aufzubauen.
3. Was hat der Interim Manager erreicht in Bezug auf den Initialauftrag und wie ist er vorgegangen?
N.T.: Erich hat rasch Struktur und Klarheit in zentrale Themen gebracht. Prozesse wurden analysiert, Prioritäten geschärft und strategische Diskussionen angestossen. Besonders wertvoll war dabei die Verbindung von analytischem Vorgehen und operativer Umsetzungskraft.
E.S.: Entscheidend war für mich ein pragmatisches Vorgehen. Veränderungen müssen nachvollziehbar sein und dürfen die Organisation nicht überfordern. Deshalb ging es darum, Etabliertes gezielt zu hinterfragen und Verbesserungen Schritt für Schritt umzusetzen.
„Für viele Unternehmen war zunehmend schwer nachvollziehbar, weshalb für identische Berufe unterschiedliche Prozesse und Systeme existieren.“ (N.T.)
4. Wann entstand erstmals die Idee einer engeren Zusammenarbeit in der Grundbildung und was waren die Auslöser dafür?
N.T.: Die Idee entstand aus konkreten Rückmeldungen aus der Branche. Für viele Mitgliedunternehmen war zunehmend schwer nachvollziehbar, weshalb für identische Berufe unterschiedliche Prozesse, Unterlagen und Systeme bei Swissmechanic und Swissmem existieren. Gerade in der Grundbildung wurde deutlich, dass die Branche einfachere und verständlichere Lösungen erwartet.
E.S.: Im Verlauf der Gespräche wurde klar, dass die Herausforderungen in der Grundbildung bei beiden Verbänden sehr ähnlich sind. Daraus entstand nach und nach die Diskussion, ob gewisse Bereiche enger zusammengeführt werden sollten.
Die Diskussion verlagerte sich damit zunehmend weg von bestehenden Verbandsstrukturen hin zur Frage, wie die Berufsbildung aus Sicht der Unternehmen einfacher und effizienter gestaltet werden kann.
5. Welche Rolle spielte der Interim Manager dabei, diese Option überhaupt auf den Tisch zu bringen?
N.T.: Die externe Perspektive war in diesem Prozess sehr wertvoll. Erich konnte gewisse Themen nüchterner betrachten und Fragen stellen, die intern möglicherweise weniger offen diskutiert worden wären. Dadurch wurde sichtbar, dass eine engere Zusammenarbeit in der Grundbildung konkrete Chancen bieten kann.
E.S.: Meine Rolle bestand nicht darin, fertige Lösungen vorzuschlagen. Entscheidend war vielmehr, Diskussionen anzustossen und gemeinsam zu analysieren, wo Vereinfachungen und Synergien für die Branche sinnvoll sein könnten.
6. Gab es anfängliche Vorbehalte oder Widerstände gegenüber einer so weitreichenden Veränderung?
N.T.: Ja, selbstverständlich. Gerade Verbände sind stark von Identität, Tradition und gewachsenen Systemen geprägt. Umso wichtiger war es, deutlich zu machen, dass es nicht um den Verlust von Eigenständigkeit geht, sondern um Vereinfachungen und einen konkreten Nutzen für Unternehmen und Berufsbildung.
E.S.: Widerstände gehören zu jedem Entwicklungsprozess. Entscheidend war deshalb Transparenz – also nachvollziehbar zu erklären, weshalb gewisse Fragen überhaupt diskutiert werden und welchen Nutzen eine engere Zusammenarbeit bringen könnte.
Der Interim Manager brachte zusätzliche Impulse in die Diskussion ein und ermöglichte so, etablierte Denkweisen zu hinterfragen und neue Handlungsoptionen sachlich zu diskutieren.
«Die externe Perspektive hat geholfen, bestehende Strukturen zu hinterfragen.“
– Nicola Tettamanti, Präsident Swissmechanic
«Als externe Person kann man gewisse Themen direkter ansprechen, weil man weniger stark in gewachsene Prozesse eingebunden ist.»
– Erich Sannemann, Interim Manager
„Veränderungen funktionieren nur, wenn nachvollziehbar ist, weshalb sie notwendig sind und welchen konkreten Nutzen sie bringen.“
– Erich Sannemann, Interim Manager
7. Was waren die zentralen Schritte auf dem Weg von der Idee bis zur engeren Zusammenarbeit in der Grundbildung?
N.T.: Am Anfang stand die Analyse der Ausgangslage und der Bedürfnisse der Mitgliedunternehmen. Daraus entstand zunehmend die Frage, wie Doppelspurigkeiten reduziert und die Berufsbildung für Unternehmen einfacher gestaltet werden kann.
E.S.: Der Prozess entwickelte sich schrittweise – von der Analyse über strategische Gespräche bis hin zur Prüfung konkreter Kooperationsmodelle. Wichtig war dabei, die verschiedenen Beteiligten früh einzubeziehen und die Optionen sorgfältig zu evaluieren.
«Veränderungen anzustossen, ohne das Vertrauen der Beteiligten zu verlieren.» (E.S.)
8. Welche Herausforderungen waren im Transformationsprozess besonders kritisch (z. B. kulturell, politisch, organisatorisch)?
N.T.: Die grössten Herausforderungen lagen klar im kulturellen Bereich. Beide Verbände verfügen über eigene Traditionen, Strukturen und gewachsene Systeme. Gleichzeitig mussten organisatorische und politische Interessen und Erwartungen berücksichtigt werden.
E.S.: Die Herausforderung bestand darin, Veränderungen anzustossen, ohne die Identität der einzelnen Organisationen in Frage zu stellen. Gerade in der Berufsbildung braucht es deshalb viel Fingerspitzengefühl, Kommunikation und Vertrauen.
«Der Durchbruch kam, als die Diskussion weniger aus Sicht der Verbände geführt wurde, sondern stärker aus Sicht der Unternehmen und Lernenden.» (E.S.)
9. Gab es einen entscheidenden Moment, der den Durchbruch für die engere Zusammenarbeit gebracht hat?
N.T.: Ein wichtiger Moment war die Erkenntnis, dass die Bedürfnisse der Mitgliedunternehmen weitgehend identisch sind. Damit rückte die Frage in den Vordergrund, wie die Verbände verständliche und praxistaugliche Lösungen für die Berufsbildung anbieten können.
E.S.: Der eigentliche Durchbruch kam, als die Diskussion nicht mehr von bestehenden Strukturen ausging, sondern von den Anforderungen der Unternehmen und Lernenden. Dadurch wurde rasch deutlich, dass eine engere Zusammenarbeit konkrete Vorteile schaffen kann.
Mit diesem Perspektivenwechsel rückte der praktische Nutzen für Unternehmen stärker in den Vordergrund als organisatorische Abgrenzungen.
10. Was wird sich durch die engere Zusammenarbeit von Swissmechanic und Swissmem in der Grundbildung konkret verändern?
N.T.: Die Zusammenarbeit schafft die Grundlage, Ressourcen gezielter einzusetzen und Prozesse in der Grundbildung klarer und verständlicher zu gestalten. Davon profitieren sowohl die Unternehmen als auch die Branche insgesamt.
E.S.: Im Zentrum steht die Vereinfachung. Unternehmen sollen sich stärker auf die Ausbildung ihrer Lernenden konzentrieren können und weniger mit unterschiedlichen Systemen oder parallelen Unterlagen befassen müssen.
«Er stellte Fragen, die intern möglicherweise nicht gestellt worden wären.» (N.T.)
11. Welchen spezifischen Mehrwert hat der Interim Manager in diesem Prozess geschaffen?
N.T.: Erich brachte einen unabhängigen Blick auf die bestehende Organisation ein und stellte Fragen, die intern möglicherweise nicht gestellt worden wären. Gleichzeitig gelang es ihm, operative Stabilität mit strategischer Weiterentwicklung zu verbinden und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.
12. Was bleibt langfristig bestehen – und welche Lehren ziehen Sie aus diesem Mandat für zukünftige Transformationen?
N.T.: Langfristig bleibt die Erkenntnis, dass Veränderungen vor allem dann erfolgreich sind, wenn sie einen konkreten Nutzen für die Anspruchsgruppen schaffen. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, etablierte Strukturen regelmässig zu hinterfragen und neue Lösungsansätze offen zu prüfen.
E.S.: Für mich zeigt dieses Mandat, dass nachhaltige Entwicklungen Zeit, Transparenz und Vertrauen brauchen. Entscheidend ist zudem, konsequent unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und daraus tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Esther Kuhn, Managing Partner von EIM Switzerland AG, bedankt sich herzlich bei Nicola Tettamanti und Erich Sannenmann für den offenen Austausch und die spannenden Einblicke in einen Transformationsprozess, der den Mehrwert von Interim Management eindrücklich verdeutlicht: Neue Perspektiven, schnelle Wirksamkeit und praxisnahe Umsetzung schaffen die Grundlage für nachhaltigen Wandel in einer ganzen Branche.
Jede Veränderung beginnt mit einer neuen Perspektive.
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